Wohnmobilreisen werden trotzdem günstiger
Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Island ein neues System zur Finanzierung des Strassennetzes. Die bisher über den Benzin- und Dieselpreis erhobenen Strassenabgaben wurden durch eine kilometerabhängige Nutzungsgebühr ersetzt. Betroffen sind nicht nur isländische Fahrzeuge, sondern auch Wohnmobile und andere Fahrzeuge, die vorübergehend nach Island eingeführt werden.
Warum wurde die neue Maut eingeführt?
Island reagiert damit auf den stetig steigenden Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen. Da die Einnahmen aus den bisherigen Kraftstoffsteuern zurückgehen, soll künftig jeder Fahrzeughalter entsprechend seiner tatsächlichen Strassennutzung zur Finanzierung des Strassennetzes beitragen.
So funktioniert das System für ausländische Wohnmobile
Wer mit dem eigenen Wohnmobil per Fähre nach Island reist, muss sein Fahrzeug vor oder bei der Einreise anmelden. Dabei werden unter anderem die Fahrzeugdaten und bei längeren Aufenthalten auch die Kilometerstände erfasst.
Die isländischen Behörden erhalten die Reisedaten direkt von der Fährgesellschaft und stellen die entsprechende Strassengebühr in Rechnung.
Aufenthalte bis 30 Tage
Für Aufenthalte von maximal 30 Tagen wird eine pauschale Strassengebühr erhoben. Die Höhe richtet sich nach dem zulässigen Gesamtgewicht des Fahrzeugs sowie der Aufenthaltsdauer.
| Aufenthaltsdauer | Bis 3,5 t | Über 3,5 t |
|---|---|---|
| Bis 10 Tage | 13.900 ISK | 19.700 ISK |
| 11 bis 20 Tage | 20.850 ISK | 29.550 ISK |
| 21 bis 30 Tage | 24.325 ISK | 34.475 ISK |
Aufenthalte von mehr als 30 Tagen
Wer länger als 30 Tage auf Island bleibt, bezahlt eine kilometerabhängige Gebühr. Dazu wird der Kilometerstand bei der Ein- und Ausreise erfasst. Die bereits bezahlte Grundgebühr wird anschliessend angerechnet.
Aktuelle Kilometergebühren:
| Fahrzeuggewicht | Gebühr |
|---|---|
| Bis 3,5 t | 6,95 ISK/km |
| 4,25 t | 8,4 ISK/km |
| 7,0 t | 13,9 ISK/km |
| 10,0 t | 19,7 ISK/km |
Werden die Kilometer kontrolliert?
Die ersten Erfahrungen von Island-Reisenden zeigen, dass die Kilometerstände zwar erfasst werden, die Kontrollen bei der Einreise bislang jedoch eher stichprobenartig erfolgen. Dennoch sollten die Angaben unbedingt korrekt gemacht werden, da sie die Grundlage für die spätere Abrechnung bilden.
Wer kassiert die Gebühr?
Viele Reisende gingen zunächst davon aus, dass die Gebühr direkt von der Fährgesellschaft Smyril Line eingezogen wird. Tatsächlich erfolgt die Abwicklung jedoch über die isländischen Behörden. Nach der Anmeldung erhalten Reisende die Zahlungsinformationen elektronisch.
Was bedeutet das für Wohnmobil-Reisende?
Auf den ersten Blick wirkt die neue Maut wie eine zusätzliche Belastung. Tatsächlich könnte sie für viele Wohnmobil-Reisende jedoch sogar günstiger ausfallen als das bisherige System.
Eine typische Islandreise dauert etwa vier Wochen und umfasst rund 3.500 Kilometer. Für ein Wohnmobil bis 3,5 Tonnen fällt dabei die maximale Pauschale von 24.325 ISK an. Ein Wohnmobil mit 4,25 Tonnen bezahlt 34.475 ISK.
Gleichzeitig hat Island die Kraftstoffsteuern massiv gesenkt. Der Dieselpreis wurde um rund 87 ISK pro Liter reduziert, was je nach Wechselkurs etwa 30 Prozent entspricht.
Bei einer Fahrleistung von 3.500 Kilometern und einem durchschnittlichen Verbrauch von 10 Litern werden rund 350 Liter Diesel benötigt. Allein durch die niedrigeren Dieselpreise spart man dadurch etwa 30.450 ISK.
Für Wohnmobile unter 3,5 Tonnen wird die neue Regelung damit in vielen Fällen sogar günstiger als das bisherige System. Bei schwereren Fahrzeugen fällt die Maut zwar höher aus, gleichzeitig profitieren gerade diese Fahrzeuge aufgrund ihres höheren Verbrauchs besonders stark von den gesunkenen Kraftstoffpreisen.
Tanken in Island wird attraktiver
Eine überraschende Folge der Reform: Diesel und Benzin sind auf Island inzwischen günstiger als in Dänemark oder Deutschland. Für viele Wohnmobil-Reisende dürfte dies die neue Maut kompensieren.
Fazit
Die neue isländische Strassengebühr sorgt zunächst für Stirnrunzeln. Wer die Gesamtrechnung betrachtet, stellt jedoch fest, dass die gleichzeitig gesenkten Kraftstoffpreise einen grossen Teil der zusätzlichen Kosten ausgleichen. Für viele Wohnmobile könnte die Reise nach Island sogar günstiger werden als bisher.
23.6.2026