günstig und empfehlenswert
Wer mit dem Wohnmobil nach Frankreich reist, kommt an einem Thema kaum vorbei: der französischen Umweltplakette Crit'Air. Während man auf dem Land oft nie damit in Berührung kommt, kann sie bei einem spontanen Abstecher in eine Stadt schnell zur Pflicht werden. Die gute Nachricht: Die Plakette ist günstig, lebenslang gültig und einfach zu bestellen.
Was ist die Crit'Air-Plakette?
Die Crit'Air ist die offizielle französische Umweltplakette. Sie ordnet jedes Fahrzeug aufgrund seiner Abgasnorm einer Schadstoffklasse zu. Je sauberer das Fahrzeug, desto besser die Einstufung.
Die Plakette gilt für alle Fahrzeuge – vom Motorrad bis zum Lastwagen. Die deutsche Umweltplakette wird in Frankreich nicht anerkannt. Obwohl diese ebenfalls auf den Schademissionen des gleichen Motors basiert...
Braucht jedes Wohnmobil eine Plakette?
Nein. Wer ausschliesslich über Land fährt, Campingplätze besucht oder die Autobahn benutzt, benötigt in der Regel keine Crit'Air-Plakette. Sie wird erst erforderlich, wenn eine französische Umweltzone (Zone à Faibles Émissions – ZFE) befahren wird oder während eines Smogalarms eine temporäre Luftschutzzone aktiviert ist. Wohnmobilland Schweiz empfiehlt ausdrücklich vor Frankreichreisen die Plakette zu kaufen.
Wo gilt die Umweltplakette?
Frankreich verfügt mittlerweile über zahlreiche Umweltzonen. Dazu gehören heute fast alle grösseren Städte und Agglomerationen. Da einzelne Städte ihre Vorschriften regelmässig anpassen, lohnt sich vor jeder Frankreichreise ein kurzer Blick auf die aktuelle Situation. Eine offizielle Übersichtskarte stellt der französische Verkehrsdienst Bison Futé zur Verfügung.
Der Weg dorthin ist allerdings etwas versteckt:
- Auf «Plus d'info» klicken.
- Etwas nach unten zum Abschnitt «Zones à faibles émissions mobilité (ZFE-m)» scrollen. Die Karte ist fast vollständig verdeckt.
- Dort auf «Afficher la carte» klicken.
Anschliessend erscheint die interaktive Karte mit sämtlichen Umweltzonen. Überall, wo ein blaues Autosymbol angezeigt wird, befindet sich eine Umweltzone. Mit einem Klick auf das Symbol erhält man die Details der jeweiligen Stadt.
Was kostet die Crit'Air?
Für ausländische Fahrzeuge kostet die Plakette derzeit lediglich 5,11 Euro inklusive Versand. Vorsicht vor privaten Vermittlern: Diese verlangen häufig zwischen 20 und 40 Euro – oder sogar noch mehr – für genau dieselbe Plakette. Bestellt werden sollte sie deshalb ausschliesslich über die offizielle Website des französischen Umweltministeriums. Nach der Bestellung erhält man zunächst eine Bestätigung mit einer Kopie der Plakette, die bis zum Eintreffen des Originals als Nachweis dient.
Wechselnummer
Hat man eine Wechselnummer und will beide Fahrzeuge mit der Plakette versehen, muss für jedes Fahrzeug separat bestellt werden.
Bestellung aus der Schweiz
Die Bestellung ist einfach und in wenigen Minuten erledigt. Offizielle Bestellseite
- Oben rechts kann die Sprache auf Deutsch umgestellt werden.
- «Fahrzeug nicht in Frankreich zugelassen»
- Formular ausfüllen. Fahrzeugklasse mit M1 wählen (unter und über 3.5 t)
- Ein Foto oder einen Scan des Fahrzeugausweises (Vorder- und Rückseite) hochladen.
- Bestellung abschliessen.
Wichtig: Auch wenn bei der Bestellung viele Wohnmobile über 3,5 Tonnen als Fahrzeugklasse **M1** erfasst werden, gelten sie innerhalb der Umweltzonen hinsichtlich der Verkehrsregelungen teilweise als schwere Fahrzeuge. Dadurch können strengere Zufahrtsbeschränkungen gelten als für Wohnmobile bis 3,5 Tonnen.
Wie lange ist die Plakette gültig?
Die Crit'Air ist fahrzeugbezogen und grundsätzlich unbegrenzt gültig. Nur bei einem Kennzeichenwechsel muss eine neue Plakette bestellt werden.
Welche Strafen drohen?
Wer ohne gültige Crit'Air in eine Umweltzone einfährt, muss mit einer Busse rechnen.
Wohnmobile bis 3,5 Tonnen: 68 Euro
Wohnmobile über 3,5 Tonnen: 135 Euro
Je nach Situation können die Strafen höher ausfallen.
ZFE oder ZPA – Wo liegt der Unterschied?
In Frankreich gibt es zwei verschiedene Arten von Umweltzonen.
ZFE – Zone à Faibles Émissions
Die ZFE ist eine dauerhaft eingerichtete Umweltzone. Hier gelten das ganze Jahr über feste Regeln. Je nach Stadt dürfen bestimmte Fahrzeuge mit älteren Abgasnormen nicht mehr einfahren – teilweise rund um die Uhr, teilweise nur an Werktagen oder während bestimmter Uhrzeiten.
ZPA – Zone de Protection de l'Air
Die ZPA ist dagegen keine dauerhafte Umweltzone. Sie wird nur bei erhöhter Luftverschmutzung (Smog) vorübergehend aktiviert.
Während einer solchen Phase dürfen oft nur Fahrzeuge mit bestimmten Crit'Air-Klassen unterwegs sein. Die Einschränkungen werden jeweils kurzfristig von den Behörden bekannt gegeben und können mehrere Tage dauern.
Was bedeutet das für Wohnmobil-Reisende?
Für die meisten Ferien mit dem Wohnmobil sind die dauerhaften ZFE entscheidend. Wer eine grössere Stadt besuchen möchte, sollte vorher prüfen, ob das Wohnmobil die erforderliche Crit'Air-Kategorie besitzt.
Die ZPA betrifft Reisende deutlich seltener. Wer jedoch während einer Smogperiode unterwegs ist, sollte sich kurzfristig über die aktuelle Lage informieren, da auch Regionen ohne dauerhafte Umweltzone zeitweise Fahrverbote verhängen können.
Autobahnen
Wer Frankreich lediglich über die Autobahn durchquert, benötigt in der Regel keine Crit'Air-Plakette.
Dabei gilt:
Autobahnen, die eine Umweltzone lediglich durchqueren, sind häufig von den Fahrverboten ausgenommen. Die Autobahn darf also weiter benutzt werden. Verlässt man sie jedoch innerhalb einer Umweltzone, gelten die dortigen Vorschriften.
In wenigen Ballungsräumen können einzelne Stadtautobahnen oder Stadtschnellstrassen Bestandteil einer Umweltzone sein. Dies ist jeweils signalisiert und richtet sich nach den Vorschriften der betreffenden Stadt.
Fazit
Für die meisten Ferien mit dem Wohnmobil spielt die Crit'Air im Alltag kaum eine Rolle. Wer jedoch Städte wie Paris, Lyon, Straßburg oder Bordeaux besuchen möchte, sollte vorbereitet sein. Für wenig Geld erhält man eine dauerhafte Umweltplakette und kann Frankreich deutlich entspannter bereisen.