Übers Ziel hinausgeschossen

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St.Gallen

Die Kantonshauptstadt hat rund 80'000 Einwohner und ein nicht gerade einladender Stellplatz mit Entsorgungstation im Krontal für zwei Womos. Dieser Stellplatz ist weder attraktiv noch gut gelegen noch wegen Fussballspielen und Baumaschinen immer zugänglich. Die Fraktion, die Mitte, reichte Ende 2019 ein Postulat im Stadtparlament ein, was die Stadt in Zukunft für den Wohnmobiltourismus gedenke zu machen. Die vorgängig eingegangene Einfache Anfrage wurde vom Stadtrat so unfachmännisch beantwortet, dass ein Postulat nötig wurde. Da der Stadtrat von Wohnmobilen keine Ahnung hat, gab er eine 17400 CHF teure, 104-seitige Studie in Auftrag, was der Wohnmobiltourismus der Stadt bringt. Diese Studie, die Wohnmobilland Schweiz vorliegt, kommt zum Schluss, dass die Wertschöpfung von Wohnmobiltouristen in der Stadt anteilsmässig klein ist. Ohne direkt auf die Studie einzugehen, die unten verlinkt ist und sich jeder seine Gedanken selbst machen kann, ist so eine Studie hinausgeworfenes Geld. Solche Schlüsse hätte der Stadtrat von St.Gallen in einem stündigen Gespräch mit Wohnmobilland Schweiz fundierter, schneller und kostenlos haben können.

Obwohl alle Parteien im Stadtparlament einen Wohnmobilstellplatz befürworten, saniert die Stadt nicht mal die zwei bestehenden Plätze beim Krontal für 30'000 CHF, weil das Geld nicht da ist und diese Investition mit den Wohnmobilisten und nur zwei Plätzen nicht amortisiert werden kann. Wie wird wohl eine Studie amortisiert?

Die Stadt will nun mit den Olmamessen zusammenarbeiten und den temporären Stellplatz auf dem Olmagelände fördern. Dieser Stellplatz darf aber den bestehenden Messebetrieb nicht behindern und war in den Vorjahren nur nach Vorreservation nutzbar.

Diese Geschichte ist ein gutes Beispiel, wie es nicht laufen sollte. Obwohl alle politischen Parteien für einen Stellplatz sind, ziemlich perfekte Orte in Zentrumsnähe zur Verfügung stehen, die mit wenig finanziellen Mitteln für Wohnmobile herzurichten wären, wird viel Geld für etwas völlig Unnützes ausgegeben. Und auf die Wertschöpfung für die kleinen Einkaufsläden, Restaurants und die tollen Sehenswürdigkeiten in St.Gallen wird verzichtet.

Wie weiter? Wir werden das Gespräch mit dem Tourismus in der Stadt suchen, den Kontakt zu den Politikern warmhalten und auch mit der zuständigen Stadträtin nochmals in Kontakt treten. 

Noch eine persönliche Bemerkung: ich bin von einer Fachhochschule schon enttäuscht, wenn für einen Schweizer Stellplatz nur auf ausländische Beispiele abgestützt wird und in der gesamten Studie nur gerade ein Platz im Tessin erwähnt und gezeigt wird. Alle anderen sehr guten und kostengünstige Stellplätze in der Schweiz kennt diese Fachhochschule anscheinend überhaupt nicht.
Präsident Rolf Järmann

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